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Palästina und insbesondere sein Herz, Jerusalem, ist für Muslime seit
dem Beginn der Geschichte des Islams heilig gewesen. Da die Muslime Palästina
als heilig ansehen, haben sie alles unternommen, um der Region Frieden
und Harmonie zu bringen. Wir werden in diesem Artikel auf einige historische
Fälle eingehen.
Es gibt zwei Hauptgründe, warum Jerusalem für Muslime heilig ist: Es
ist die erste Richtung, an die Muslime es gewöhnt waren, sich bei der
Verrichtung ihrer Gebete zu wenden. Von dort, von der Al-Haram Moschee
zur Al-Aqsa Moschee, ist der Prophet Mohammed zum Himmel aufgestiegen,
eines der größten Wunder, die der Prophet vollbracht hat. Mit anderen
Worten der Ritt von Mekka nach Jerusalem. Diese Tatsache wird im Quran
wie folgt berichtet:
Gepriesen sei Der, Der Seinen Diener des Nachts von der
unverletzlichen Moschee (Almasdschidil-haram) zur fernsten Moschee führte,
deren Umgebung Wir gesegnet haben, um ihm einige von Unseren Zeichen zu
zeigen. Gewiss, ER ist Der Allhörende, Der Allsehende. (Sure al-Isra':
1)
In den Geschichten des Quran über die Propheten werden in vielen Versen,
die auf palästinensische Regionen verweisen, diese als 'gesegnete und
heilige Länder' erwähnt. Im obengenannten Vers über den Aufstieg zum
Himmel wird die Al-Aqsa Moschee wie ein Land beschrieben, 'dessen Umgebung
Allah gesegnet hat.' In der Sure al-Anbiya, in der die Migration der
Propheten Abraham und Lot nacherzählt wird, wird die gleiche Gegend als
' ein Land beschrieben, das Allah gesegnet hat.' Außerdem sind die
palästinensischen Länder, in denen viele Propheten, die aus Israel stammen,
gelebt, im Namen Allahs gekämpft haben und auf dem Feld der Ehre gefallen
oder dort gestorben sind und begraben wurden, auch aus diesen Gründen
für Muslime heilig.
Infolgedessen haben die Muslime in den letzten 1.400 Jahren immer für
Frieden und Ruhe in Jerusalem und Palästina gesorgt.
Der Frieden und die Gerechtigkeit, die vom Kalifen Omar
nach Palästina gebracht wurden
Bis zum Jahre 71 n.Chr. war Jerusalem die Hauptstadt der Juden. Aber
in diesem Jahr hat die römische Armee einen Feldzug gegen die Juden durchgeführt,
und sie aus dem Gebiet in eine öde Gegend verbannt. Während der Zeit der
jüdischen Diaspora, waren Jerusalem und seine Umgebung ein verlassenes
Land.
Jedoch wurde Jerusalem mit der Annahme des Christentums während der Zeit
des römischen Kaisers Constantin noch einmal sehr interessant. Römische
Christen bauten Kirchen in Jerusalem. Das Niederlassungsverbot für Juden
in der Region wurde aufgehoben. Palästina blieb bis zum 7. Jahrhundert
ein römisches Gebiet (Byzanz). Die Perser eroberten das Gebiet für kurze
Zeit, aber Byzanz eroberte es später zurück.
Die Eroberung der Region im Jahr 637 durch islamische Armeen stellt einen
wichtigen Wendepunkt in der Geschichte Palästinas dar. Mit dieser Eroberung
traten in Palästina, das jahrhundertelang Schauplatz von Kriegen, Verbannungen
und Massakern war und häufig in den Besitz unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften
geriet, die jedesmal Anlass zu neuen Grausamkeiten gaben, Frieden und
Ruhe ein.
Palästina wurde von Omar, dem zweiten Kalif nach dem Propheten, eingenommen.
Die Einnahme von Jerusalem durch Omar, die bisher nicht gekannte Toleranz,
Reife und Freundlichkeit, die er gegenüber Menschen verschiedenen Glaubens
zeigte, waren der Beginn einer herrlichen Periode. Die britische Historikerin
und Expertin des Mittleren Ostens, Karen Armstrong, beschreibt die Eroberung
von Jerusalem durch Omar in ihrem Buch Holy War:
Der Kalif Omar betrat Jerusalem auf einem weißen Kamel und wurde vom
Richter der Stadt, dem griechischen Patriarchen Sophronius eskortiert.
Der Kalif bat zuerst darum, unverzüglich zum Tempel Mount gebracht zu
werden. Dort kniete er nieder und betete an der Stelle, an der sein Freund
Mohammed seine Nachtreise gemacht hatte. Der Patriarch beobachtet dies
mit Entsetzen und dachte, dass dies seine letzten Tage sind. Er vermutete,
dass die "letzten Tagen" sich endlich näherten. Folglich bat Omar,
die christlichen Tempel zu sehen und während er in der Kirche des heiligen
Sepulchrums war, kam die Zeit für das muslimische Gebet. Höflich lud der
Patriarch ihn ein, zu beten, wo er war, aber Omar lehnte liebenswürdig
ab, dort zu beten. Wenn er niederknien würde, um in der Kirche zu beten,
erklärte er, würden die Muslime dort zum Gedenken eine Moschee errichteten,
und das würde bedeuten, dass die Kirche des heilige Sepulchrums zerstört
werden würde. Aus diesem Grund verließ Omar die Kirche und betete ein
wenig entfernt von ihr. An der Stelle, direkt gegenüber vom heiligen Sepulchre
wurde dann auch tatsächlich eine kleine Moschee errichtet, die dem Kalifen
Omar gewidmet ist.
Eine weitere, große Moschee wurde von Omar auf dem Tempel Mount errichtet,
um die muslimische Eroberung zu symbolisieren, zusammen mit der al-Aqsa
Moschee, die an die Nachtreise von Mohammed erinnert. Die Christen hatten
diese Stelle, an der sich der zerfallene Tempel der Juden befand, jahrelang
als Müllhaufen der Stadt benutzt. Der Kalif half den Muslimen, mit seinen
eigenen Händen den Abfall zu beseitigen. Durch die Errichtung von zwei
Gotteshäusern haben die Muslime den Islam damit in der drittheiligsten
Stadt des Islams angesiedelt.1
Kurz gesagt; Muslime brachten 'Zivilisation' nach Jerusalem und ganz
Palästina. Anstelle des barbarischen Glaubens, der keinen Respekt für
den heiligen Wert anderer Menschen zeigt, und der die Menschen allein
wegen ihrer Glaubensunterschiede ermordeten, herrschte dort nach der Eroberung
durch Omar die gerechte, tolerante und gemäßigte Kultur des Islam. Nach
der Eroberung lebten die Muslime, Christen und Juden zusammen in Frieden
und Harmonie in Palästina. Die Muslime versuchten nie, die Menschen zum
Islam zu zwingen, aber einige Nicht-Muslime, die sahen, dass der Islam
die wahre Religion ist, haben aus eigenem freien Willen den Islam gewählt.
Frieden und Harmonie in Palästina dauerten solange, wie diese Region
sich unter der Herrschaft der Muslime befand. Jedoch am Ende des 11. Jahrhunderts
kamen ausländische Invasoren in die Region und das zivilisierte Land von
Jerusalem wurde in barbarischer und grausamer Weise geplündert. Diese
Barbaren waren die Kreuzfahrer.
Die Grausamkeit der Kreuzfahrer
Während die Anhänger der drei Religionen in Frieden und Harmonie in Palästina
lebten, entschieden die Christen in Europa, Kreuzzüge zu unternehmen.
Nach einem Aufruf von Papst Urban II am 25 November 1095 an den Rat von
Clermont machten sich mehr als 100.000 Menschen aus ganzem Europa auf,
"das heilige Land von den Muslimen zu befreien" und um den sagenhaften
Reichtum des Ostens zu finden. Nach einer langen und zermürbenden Reise,
vielen Plünderungen und Gemetzel an Muslimen erreichten sie 1099 Jerusalem.
Die Stadt fiel nach einer Belagerung von fast fünf Wochen, und die Kreuzfahrer
zogen ein. Die von ihnen dabei verübten Grausamkeiten stellten vieles
in den Schatten, was die Welt bisher erlebt hatte. Alle Muslime und Juden
in der Stadt wurden niedergemetzelt. Ein Historiker beschrieb die Zustände
so, "...ermordeten sie alle Arabers und Türken, die sie fanden...,
ohne Rücksicht darauf, ob es ein Mann oder eine Frau war." 2
Einer der Kreuzfahrer, Raymond of Aguiles prahlte
mit dieser Gewalttätigkeit:
Wundervolle Ansichten waren zu sehen. Einige von unseren Männern (und
diese waren die barmherzigsten) schnitten die Köpfe ihrer Feinde ab; andere
schossen sie mit Pfeilen, damit sie von den Türmen stürzten; andere quälten
sie länger, indem sie sie in Flammen warfen. Ein Haufen der abgeschnittenen
Köpfe, Hände und Füße waren auf den Straßen der Stadt zu sehen. Deswegen
war es sehr schwierig, auf den Straßen zu gehen. Aber diese waren sehr
wenig, wenn sie damit verglichen wurden, was am Tempel von Solomon geschah...
Im Tempel und im Portal von Solomon ritten Männer in Blut bis zu ihren
Knien.3
In zwei Tagen ermordete die Armee der Kreuzfahrer ca. 40.000 Muslime
in der oben beschriebenen barbarischen Weise. 4
Der Frieden und die Harmonie in Palästina, die seit Omar eingekehrt waren,
endete in einem schrecklichen Gemetzel. Die Kreuzfahrer übertraten alle
ethischen Gesetze des Christentums, einer Religion der Liebe und des Mitleids,
und verbreiteten Terror angeblich unter Berufung auf das Christentum.
Die Gerechtigkeit Saladins
Die barbarische Armee der Kreuzfahrer machte aus Jerusalem ihre Hauptstadt,
und gründete ein lateinisches Königreich, dessen Grenzen sich von Palästina
bis nach Antiochia erstreckten. Jedoch konnten sich die Kreuzfahrer, die
Rechtlosigkeit und Unterdrückung nach Palästina gebracht hatten, nicht
lang halten. Saladin vereinigte alle muslimischen Königreiche unter seiner
Fahne in einem Heiligen Krieg und besiegte die Kreuzfahrer in der Schlacht
von Hattin im Jahre 1187. Nach der Schlacht wurden die beiden Führer der
Armee der Kreuzfahrer, Reynauld von Chatillon und König Guy, vor Saladin
gebracht. Saladin richtete Reynauld von Chatillon, dessen Grausamkeit
gegen Muslime ihn weithin bekannt gemacht hatte. König Guy dagegen ließ
er gehen, da er nicht die gleichen Verbrechen verübt hatte. Palästina
erlebte noch einmal wahre Gerechtigkeit.
Unmittelbar nach Hattin und am gleichen Tag, an dem der Prophet Mohammed
in einer Nacht von Mekka nach Jerusalem gebracht worden war, am Tag seines
Aufstiegs, betrat Saladin Jerusalem und befreite es von der Besetzung
der Kreuzfahrer, die 88 Jahre angedauert hatte. Als die Kreuzfahrer 88
Jahre zuvor die Stadt eingenommen hatten, hatten sie alle Muslime innerhalb
der Stadt getötet. Aus diesem Grund hatten sie Angst davor, dass Saladin
ihnen das Gleiche antun würde. Aber er rührte nicht einen einzigen Christen
in der Stadt an. Er befahl nur den lateinischen (katholischen) Christen,
die Stadt zu verlassen. Den orthodoxen Christen, die nicht Kreuzfahrer
waren, wurde erlaubt, in der Stadt zu leben und ihren Gottesdienst auszuüben,
wie sie es wollten. Die britische Historikerin Karen Armstrong beschreibt
die zweite islamische Eroberung von Jerusalem mit den folgenden Wörtern:
Am 2 Oktober 1187 betraten Saladin und seine Armee Jerusalem als Eroberer
und für die folgenden 800 Jahre würde Jerusalem eine muslimische Stadt
bleiben... Saladin hielt sein Wort und eroberte die Stadt unter Einhaltung
der höchsten islamischen Prinzipien. Er nahm nicht Rache für das Massaker
von 1099, ganz wie der Quran es befiehlt (Sure an-Nahl: 127). Kein
einziger Christ wurde getötet und es gab keinen Plünderung. Die Lösegelder
wurden bewusst sehr niedrig angesetzt...
Saladin war durch die Notlage der Familien zu Tränen gerührt, die auseinandergerissen
waren und er ließ viele von ihnen frei, wie der Quran es nachdrücklich
verlangt. Sein Bruder al-Adil war durch die Notlage der Gefangenen
so beunruhigt, dass er Tausende von ihnen für seinen eigenen Haushalt
erbat und sie dann sofort freiließ...
Als Imad ad-Din den Patriarchen Heraclius sah, wie er die Stadt mit Pferdefuhrwerken
verlies, die mit Schätzen beladen waren, drängte er Saladin, es konfiszieren
zu lassen. Aber Saladin lehnte ab. Der Quran sagt, dass Eide und Verträge
eingehalten werden müssen und es war wesentlich, dass die Muslime
die rechtlichen Abmachungen einhielten... Heraclius zahlte sein
Lösegeld von 10 Dinar wie jeder andere auch und wurde sogar mit einer
speziellen Eskorte versehen, um seinen Schatz während der Reise zu sichern.
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Richard Löwenherz war nicht sehr "adlig" . |
Kurz gesagt, Saladin und die Muslime unter seinem Befehl behandelten
die Christen mit großer Gnade und Gerechtigkeit, und sie zeigten ihnen
gegenüber sogar mehr Mitleid als deren eigene Führer.
Nach Jerusalem setzten die Kreuzfahrer ihre Barbarei und die Muslime
ihre Gerechtigkeit in anderen Städten in Palästina fort. Im Jahre 1194
hatte Richard the Lionheart (Richard Löwenherz), der als großer Held in
der britischen Geschichte dargestellt wird, 3.000 Muslime, unter denen
viele Frauen und Kinder, im Acre Schloss hinterhältig ermorden lassen.
Obwohl die Muslime Zeugen dieser Grausamkeit waren, griffen sie nie zu
den gleichen Methoden. Sie hielten sich an Allahs Befehl "O ihr, die
ihr glaubt! ... Der Haß gegen Leute verleite euch nicht zu Verfehlungen...."
(Surat al-Ma'ida: 2) und sie verübten nie Gewalttätigkeiten gegen
unschuldige Zivilisten. Sie wendeten nie unnötige Gewalt an, auch nicht
gegen die Armeen der Kreuzfahrer, die sie besiegten.
Die Wildheit der Kreuzfahrer und die Gerechtigkeit der Muslime deckte
erneut eine historische Wahrheit auf: Nur eine Verwaltung, die auf
die Grundregel des Islams errichtet wurde, ermöglichte es den Menschen
unterschiedlicher Religionen, in Palästina zusammenzuleben. Diese
Tatsache wurde auch noch 700 Jahre nach Saladin, besonders während der
osmanischen Periode, demonstriert.
Gerechtige und tolerante Herrschaft des Osmanischen Reiches
Im Jahre 1514 eroberte Sultan Selim Jerusalem und seine Umgebung. Damit
begann die fast 400 jährige Osmanische Herrschaft in Palästina. Wie in
anderen osmanischen Ländern auch sollte diese Periode Palästina Frieden
und Stabilität bringen und das Zusammenleben der verschiedenen Religionen
sichern.
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Die Toleranz des Islams setzte sich im Osmanischen
Reich fort. Kirche, Synagoge und Moschee koexistierten friedlich
miteinander.
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Das Osmanische Reich wurde durch eine Ordnung bekannt, das "Nations(Millet)-System"
genannt wurde, ein System der Selbstverwaltung ethnischer und religiöser
Gruppen. Die grundlegendste Eigenschaft dieses Systems war, dass Menschen
unterschiedlicher religiöser Zugehörigkeit erlaubt wurde, ihrem eigenen
Glauben gemäß und sogar ihrer Rechtsordnung entsprechend zu leben. Christen
und Juden, die im Quran als die 'Menschen der Schrift' beschrieben
werden, fanden Toleranz, Sicherheit und Freiheit im Osmanischen Reich.
Der wichtigste Grund dafür war, dass das Osmanische Reich, obwohl es
ein islamischer Staat war, der von den Muslimen verwaltet wurde, kein
Interesse daran hatte, seine Bürger zum Übertritt zum Islam zu zwingen.
Im Gegenteil, der Osmanische Staat strebte an, Nicht-Muslimen Frieden
und Sicherheit zu gewähren und sie so zu verwalten, dass sie mit der islamischen
Regierung und Gerechtigkeit einverstanden sind.
Andere große Staate hatten zur gleichen Zeit eine viel gröbere, unterdrückendere
und intolerantere Vorstellung von Regierung. Das Königreich von Spanien
konnte die Anwesenheit der Muslime und Juden auf der spanischen Halbinsel
nicht tolerieren und verübte Gewalttaten gegen beide Gemeinschaften. In
vielen anderen europäischen Ländern wurden Juden allein wegen ihrer Religionszugehörigkeit
unterdrückt (zum Beispiel wurden sie in Gettos eingesperrt) und wurden
bisweilen Opfer von Massakern (Pogromen). Selbst untereinander fanden
die Christen keinen Frieden; die Konflikte zwischen Protestanten und Katholiken
im 16. und 17. Jahrhundert verwandelten Europa in ein blutiges Schlachtfeld.
Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war ein Resultat dieses Konfliktes
zwischen Katholiken und Protestanten. Als Folge dieses Kriegs wurde Mitteleuropa
in ein Schlachtfeld verwandelt und allein in Deutschland kam ein Drittel
der Bevölkerung, 15 Millionen Menschen, um.
Angesichts solcher Zustände ist es eine unbestreitbare Wahrheit, dass
die Osmanische Herrschaft außerordentlich menschlich war.
Viele Historiker und Politikwissenschaftler haben die Aufmerksamkeit
auf diese Tatsache gelenkt. Einer von ihnen ist Prof. Dr. Edward Said,
ein international bekannter Experte für die Geschichte des den Mittleren
Osten an der Columbia Universität. Edward Said, der von einer christlichen
Familie Jerusalems abstammt und an amerikanischen Universitäten seine
Forschungen fortsetzt, empfahl in einem Interview in der israelischen
Zeitung Ha'aretz das "Nations-System (Millet-System) des Osmanischen Reiches",
um im Mittleren Osten permanenten Frieden zu stiften. Er sagte:
"So wie andere Minoritäten in der arabischen Welt leben können, kann
auch eine jüdische Minorität (unter Arabern) leben... Es funktionierte
sehr gut im Osmanischen Reich mit seinem Nationssystem. Dieses System
scheint menschlicher zu sein, als das, was wir jetzt haben. 6
Die Moral des Koran: Die Quelle der islamischen Toleranz
Der wesentliche Grund für die Errichtung der außerordentlich toleranten,
gerechten und menschlichen Herrschaft im Osmanischen Reich und in anderen
muslimischen Staaten besteht darin, dass im Quran eine derartige Herrschaftsform
gefordert wird. Der Grund für Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Toleranz
und zivilisiertes Verhalten, die Omar, Saladin, Sultane des Osmanischen
Reiches und viele andere muslimische Herrscher an den Tag legten (eine
Tatsache, die heute auch im Westen akzeptiert wird), war ihre Treue gegenüber
Allahs Geboten, die Er im Quran offenbart hat. Im Folgenden sind einige
der Gebote aufgeführt, die die Grundlage der islamischen Ansicht von Regierung
bilden:
 
Eine historische Ansicht der muslimischen Toleranz zu den Christen:
Muslimische Kuppel des Felsens nahe bei der christlichen Kirche. |
Siehe, Allah gebietet euch, die euch anvertrauten Güter
ihren Eigentümern zurückzugeben, und wenn ihr unter den Leuten richtet,
nach Gerechtigkeit zu richten. Siehe, Allah - wie trefflich ist das, wozu
Er euch mahnt! Siehe, Allah hört und sieht. (Sura an-Nisa: 58)
O ihr, die ihr glaubt! Tretet für die Gerechtigkeit ein,
wenn ihr vor Gott Zeugnis ablegt, und sei es gegen euch selber oder euere
Eltern und Verwandten. Handele es sich um arm oder reich, Allah steht
euch näher als beide. Und überlasst euch nicht der Leidenschaft, damit
ihr nicht vom Recht abweicht. Wenn ihr (das Recht) verdreht oder euch
(von ihm) abkehrt, siehe, Allah weiß, was ihr tut. (Sura an-Nisa: 135)
Allah verbietet euch nicht, gegen die gütig und gerecht
zu sein, die euch nicht wegen eueres Glaubens bekämpft oder euch aus eueren
Häusern vertrieben haben. Allah liebt fürwahr die gerecht Handelnden.
(Sura al-Mumtahina: 8)
Von der Politik heißt es 'Macht korrumpiert und absolute Macht korrumpiert
absolut.' Dies bedeutet, dass jeder, der politische Macht erreicht, infolge
der Möglichkeiten, die diese Macht ihm bietet, moralisch korrumpiert wird.
Diese Regel trifft tatsächlich für die meisten Menschen zu. Denn diese
Majorität bestimmt ihre Moral entsprechend den gesellschaftlichen Sanktionen.
Mit anderen Worten; sie vermeiden Unmoral und Straftaten, nur weil sie
sich vor der Missbilligung und Bestrafung der Gesellschaft fürchten. Die
Macht gibt ihnen Stärke und verringert den sozialen Druck. Infolgedessen
werden sie ganz leicht verdorben und degeneriert. Wenn sie absolute Macht
besitzen, d.h. wenn sie eine Nation beherrschen, können sie alles tun,
um ihren Hochmut zu befriedigen.
Das einzige Modell des Menschen, in dem das 'Gesetz der
Korruption' nicht gilt, ist der aufrichtige Glaube an Allah. Die Annahme
der Religion aus Furcht und Liebe vor Ihm und ein Leben entsprechend dieser
Religion. Da ihre Moral nicht von der Gesellschaft abhängig ist, beeinflusst
sie selbst die absoluteste Herrschaft nicht. Im Quran gab Allah den Propheten
David als Beispiel eines idealen Herrschers, während er diejenigen beherrschte,
die seine Berechtigung in Frage stellten, betete er in völliger Unterwerfung
zu Allah. (Sure Sad: 24)
Die Tatsache, dass es in der Geschichte des Islams eine große Anzahl
von gerechten, barmherzigen, demütigen und reifen Herrscher gibt, ist
dieser Moral geschuldet, die Allah den Muslimen im Quran nahebringt. Solange
ein muslimischer Herrscher Allah fürchtet, gibt es ausgeschlossen, das
er verdorben, stolz oder grausam werden könnte. (Selbstverständlich gibt
es in der Geschichte des Islams Herrscher, die verdorben waren und von
der islamischen Moral abwichen, aber ihre Anzahl und ihr Einfluss waren
sehr gering).
Zusammenfassung
Die Geschichte zeigt, dass der Islam das einzige Glaubenssystem ist,
das eine gerechte, tolerante und mitleidsvolle Regierung im Mittleren
Osten bietet. Der osmanische Frieden, der mit dem Rückzug des Osmanischen
Reiches aus der Region zu Ende ging, ist noch nicht ersetzt worden. Nach
dem Osmanischen Reich ging der Mittlere Osten zuerst in die Hände der
europäischen Kolonialisten über und wurde dann das Ziel von Israels aggressiver
Politik.
Es gibt einen wesentlichen Grund für den aktuellen Konflikt im Mittleren
Osten: Die Tatsache, dass die beteiligten Seiten keinen Frieden stiften
wollen. Israel sollte sich an die UN Resolution 242 halten, sich auf die
Grenzen von vor 1967 zurückzuziehen und die Rechte der Palästinenser anerkennen.
Die Palästinenser (und andere Araber) sollten Ziele wie "Israel in das
Meer zu werfen" aufgeben und das Zusammenleben mit den Juden akzeptieren.
Und sie sollten unter keinen Umständen ihren gerechten Kampf durch barbarische
Terrorakte gegen Zivilisten besudeln.
Kurz gesagt; damit im Mittleren Osten Frieden erkehrt, müssen beide Seiten
damit einverstanden sein, gemäßigt und tolerant zu sein, und sich ernsthaft
darum bemühen, sich vom jüdischen Rassismus (Zionismus) oder vom arabischen
Chauvinismus zu befreien. Der dafür erforderliche Einblick ist in den
Tugenden zu finden, die die islamische Moral dem Mittleren Osten in den
letzten Jahrhunderten vorgeführt hat.
1- Karen Armstrong, Holy
War, MacMillan, London, 1988, S. 30-31
2- Geste Francorum, or the Deeds of the Franks and
the Other Pilgrims to Jerusalem, trans. Rosalind Hill, London, 1962,
S.91
3- August C. Krey, The First Crusade: The Accounts
of Eye-Witnesses and Participants, Pinceton & London, 1921, S. 261
4- August C. Krey, The First Crusade: The Accounts
of Eye-Witnesses and Participants, Pinceton & London, 1921, S. 262

5- Karen Armstrong, Holy War, S. 185
6- 18.8.2000, Ha'aretz Zeitung; MiddleEast.Org, August
2000
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